Scotch Brands: Wiederauferstehung, neu gebaut, rekonstruiert, neu belebt - es ist was los in Schottland

Es ist eine Menge los in der Schottischen Whiskyszene. Neue Brennereien entstehen und alte, bereits verloren geglaubte Brennereinen werden wiederbelebt. Am spektakulärsten war sicher die Nachricht von Diageo die Brennereien Port Ellen und Brora wieder zu eröffnen. 35 Mio. GBP will der Konzern investieren und schon 2020 soll die Produktion starten. Beide Brennereien wurden in den 80ern geschlossen. Die heute noch verfügbaren Abfüllungen zählen zu den teuersten Whiskys der Welt. 800.000 Liter soll jede der Beiden wieder eröffneten Anlagen jährlich destillieren. Dies ist nicht sehr viel und entspricht etwa der Größe der Oban Distillery. Eigentlich wurde die auf Islay gelegene Port Ellen 1983 abgerissen. Eine echte Widereröffnung wird es daher wohl nicht. Man will die alte Brennerei jedoch rekonstruieren. Die in den nördlichen Highlands gelegene Brora existiert jedoch noch vollständig. Sie wurde ursprünglich von der neuen und moderneren Clynelish Distillery auf der anderen Seite der Straße ersetzt. Nun kann die alte Brennerei nach einigen Sanierungen mit den alten Brennblasen und unter dem gleichen Dach wieder in Betrieb genommen werden. Wir sind gespannt auf die ersten Whiskys welche frühestens 2023/2024 zu Erwarten sein dürften.

Eine weitere Sensation ist die Ankündigung von Ian Macleod, die ebenfalls sehr hoch bewertete Rosebank Distillery wieder zu eröffnen. Der Unabhängige Abfüller und Besitzer von Tamdhu soll dem ursprünglichen Besitzer Diageo die Brennerei gegen die Rechte an der Marke „Isle of Skye“ abgerungen haben. Diageo investiert viel in die Vermarktung von Talisker, der einzigen Brennerei auf der Insel Skye und freut sich wenig über den vergleichsweise billigen Pub-Blend welcher gerne für einen Talisker gehalten wird. Zumal der in Zukunft am stärksten beworbene Talisker, der „Talisker Skye“ sein wird. Die Gebäude von Rosebank sind noch vorhanden, allerdings wird man die Brennblasen und andere technische Einrichtungen erneuern müssen. Die Stills wurden vor einigen Jahren in einem kalten Winter unbemerkt gestohlen.

Isle of Skye ist die größte, und unter Touristen beliebteste Insel Schottlands. Weniger bekannt ist die etwas östlich von Skye gelegene und deutlich kleinere Insel Raasay. Hier hat fand gerade die aktuellste Inbetriebnahme einer neuen Brennerei statt. Rassay Distillery wurde vor wenigen Tagen, im September 2017 in Betrieb genommen. Alasdair Day und Bill Dobbie sind die Gründer von R&B Distillers und für den Bau der kleinen Craft Distillery verantwortlich. Noch im Planungsstadium bei R&B Distillers ist die neue Borders Distillery im äußersten Süden Schottlands. Scotia Spirit möchte von der ersten Stunde an dabei sein und hat daher den Brand Ambassador von R&B Distillers, Chris Hoban nach Köln eingeladen. Mehr dazu bei den Tastingterminen.

Ganz andere Wege zur Wiederbelebung eines bereits verloren geglaubten Whiskys ging Rupert Patrick, Manager von James Eadie Ltd. und vormals Manager bei Diageo. Er kam an eine original Flasche eines James Eadie Trade Mark X Blended Scotch Whisky aus der Zeit vor dem zweiten Weltkrieg. Außerdem verfügte er über original Aufzeichnungen zum Mischungsverhältnis des Blends. Denn sein Ur-ur-Großvater war der Gründer von James Eadie und der Begründer des Trade Mark X Blended Scotch. Eine Marke die er 1877 eintragen lies. Auf Grundlage der Originalabfüllung und der entsprechenden Unterlagen war es nun möglich die Rekonstruktion zu beginnen. Schwierig war jedoch die Zusammensetzung, da sich darunter die zwei bereits geschlossenen Brennereinen Littlemill und Cambus befanden. Und die Notwenigkeit eines Lagavulin machte es ebenfalls nicht leichter. Patrick wurde durchaus dafür belächelt, dass er Littlemill nicht als rare Abfüllung verkauft sondern in einen Blend packt. Das Ergebnis jedoch ist ein für heutige Verhältnisse ungewöhnlicher Blend. Ab Oktober für 46,90 bei Scotia Spirit.

Und noch eine Brennerei die erst 1999 geschlossen wurde ist wieder auferstanden. Glen Keith in der Nähe der Brennerei Strathislay, im gleichnamigen Ort gelegen, wurde schon 2013 vom heutigen Besitzer Pernod Ricard wieder in Betrieb genommen. Der erste neue Whisky jedoch wurde nun in Großbritannien als non-age-statement auf den Markt gebracht. In alten Zeiten wurde Glen Keith von den Chivas Brothers für deren Blends genutzt. James Middleton, Manager bei Pernod Ricard erklärte die Einführung der ersten Originalabfüllung mit der stark wachsenden Nachfrage nach Single Malt. Dies ist sicher auch der Grund weshalb derselbe Konzern nun drei 15 Jahre alte Originalabfüllungen dreier Brennereien auf den Markt brachte, die bisher nur als Independend bottings verfügbar waren: Glenburgie, Glentauchers und Miltonduff sind die Hauptbestandteile des Ballantine’s Blend und wurden daher auch unter dessen Namen veröffentlicht.

Eine weitere Entdeckung großartiger Single Malts dürfte uns sicher durch den spektakulären Deal von Billy Walker bevorstehen. Walker wurde u.a. bekannt durch seine Übernahme von Benriach, Glendronach und später Glenglassaugh vor vielen Jahren. Beide erstgenannten Brennereien wurden dann mit Ihren großartigen Originalabfüllungen zu den Lieblingen aller Single Malt Enthusiasten. Vergangenes Jahr hatte Walker dann an den US-Spirituosenriesen Brown Forman verkauft. Dennoch ging der weit über 70 Jährige nach dem sicher lukrativen Geschäft nicht in Rente, sondern rang Pernod Ricard die erst 1967 gebaute, kleine Glenallechie Distillery ab. Wie man hört sichtet Walker gerade die im Kauf enthaltenen Fassbestände.


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