Englischer Whisky?

Schottland ist weltweit bekannt für seinen Whisky und beherbergt heute rund 115 Brennereien welche, bis zu 240 Jahre alt sind. England ist eher bekannt für Gin und große Politik, jedoch nicht für Whisky. Lediglich in Wales findet sich mit Penderyn die einzige britische Brennerei außerhalb Schottlands und Irlands.

Dennoch hat auch England eine lange Whiskyhistorie nachzuweisen. Allerdings geriet diese für mehr als ein Jahrhundert in Vergessenheit, nach dem 1903 mit der Lea Valley Distillery die letzte englische Brennerei Ihren Betrieb aufgab. Gegründet wurde sie bereits 1767 in Stratford, ganz in der Nähe von London. Produziert wurde dort sowohl Grain als auch Malt Whisky. Immerhin 1.4 Mio Liter pro Jahr. Doch nach der Schließung sollte es, bis ins Jahr 2003 dauern bis wieder Whisky in England produziert wurde.

 

Hicks & Healey im südwestlichsten Zipfel von Cornwall teilten 2003 mit, dass sie damit begonnen hatten ein Destillat für Whiskys zu brennen. Bis dahin war das Unternehmen für die Herstellung von Bier und Cider bekannt. Doch der eigentliche Neustart für englischen Whisky begann wohl mit der Eröffnung der St George’s Distillery in Norfolk im Jahr 2006. Für den Gründer James Nelstrop ging damit ein 45 Jahre alter Traum in Erfüllung. Schon in historischen Zeiten wurde Gerste aus Norfolk nach Schottland verschickt.

 

Zunächst wollte Nelstrop eine Microdistillery mit Stills kleiner als 1800 Liter bauen. Dies genehmigte HMRC, der englische Zoll, jedoch nicht. Es mussten mindestens 1800 Liter umfassende Potstills sein. Für viele Unternehmer mit Ideen für neue Brennereien ist die HMRC ein großes Problem. So ist es z.B. nur sehr schwer durchzusetzen, dass eine neue Brennerei außerhalb der Industriegebiete in einem landschaftlich ansprechenden, grünen Umfeld gebaut werden darf. Von Schottland ist man das Bild von Brennereien gewohnt die in romantischen Tälern, an den Ufern eines Lochs oder in einer sturmumtosten Bucht liegen. Für die Bewerbung des Whiskys und für touristische Besucher durchaus von Vorteil. Andererseits gibt es bisher noch keinen Zusammenschluss der englischen Branche in einer Association wie es in Schottland die „Scotch Whisky Association“ ist. Dies gibt den jungen Herstellern mehr Freiheit für Kreativität, weil noch keine klaren Regeln für die Herstellung festgelegt wurden. Da wird dann auch schon mal mit verschiedenen Getreidearten oder ungewöhnlichen Fasstypen experimentiert. Auch die Mischung von Potstill Spirit und Column Spirit ist möglich. Dadurch lässt sich heute noch kein „Englischer Whisky Stil“ finden oder definieren. Aber die Branche ist im Aufbruch.

 

Bis Ende 2018 wird es neun Whisky Brennereien in England geben. Bis Ende 2020 sind es dann sogar 14 Brennereien. Aktueller Marktführer dürfte James Nelstrop’s English Whisky co. aus St. George sein. Whisky auf dem Markt gibt es ansonsten von Adnams Brewery in Southwold, Suffolk. Außerdem seit Okt. 17 ein Single Malt von der Cotswolds Distillery, seit 2017 ein Rye Whisky von der London Distillery Company und in 2018 wird der erste Malt von der Lakes Distillery aus dem nördlichen Lake District erwartet. Besonders kreativ und erfolgreich ist dabei John McCarthy, Head Distiller bei Adnams. Adnams kann auf eine 670-Jährige Geschichte im Bierbrauen zurückblicken. Seit 2010 wird auch destilliert und Spirit in Fässer abgefüllt. Abgefüllt in Flaschen wurden bisher ein Single Malt, ein Rye Whisky und ein Triple Malt Whisky. Wobei der Single Malt bereits 2017 die IWSC Medaille in Silber erringen konnte.

 

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